April
2009

Predigt am Ostersonntag 2009 in der Stiftskirche von Diakon Stefan Lutz-Bachmann

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
kennen Sie den?
Ein Busfahrer und ein Pfarrer kommen an die Himmelspforte. „Du kannst sofort rein,“ sagt Petrus zum Busfahrer. Der Pfarrer ist maßlos enttäuscht und schimpft: „Nun habe ich mein ganzes Leben lang für das Reich Gottes gearbeitet, habe gepredigt, getauft, getraut, beerdigt  und dieser Busfahrer kommt sofort in den Himmel, während ich draußen warten muss.“ „Tja“, gab ihm Petrus zu verstehen, „wenn du gepredigt hast, haben alle geschlafen, aber wenn er gefahren ist, haben alle gebetet!“
Oder den?
Ein Mann ist in Treibsand geraten. Da kommt ein Taxi vorbei, der Fahrer fragt: „Soll ich Ihnen helfen?“ – Antwortet der Mann, während er langsam tiefer einsinkt: „Nein. Gott wird mir schon helfen.“ Kurze Zeit später kommt noch ein Taxi vorbei, der Fahrer fragt: „Soll ich Ihnen helfen?“ – „Nein. Gott wird mir schon helfen.“ Ein drittes Taxi kommt ... wieder dieselbe Antwort. Schließlich versinkt unser Mann im Sand und stirbt. Als er gestorben ist und vor Gott steht, fragt er: „Gott, warum hast du mir nicht geholfen?!“ – Antwort: „Wie viele Taxis sollte ich dir denn noch schicken?!“
Oder den, da aller guten Dinge drei sind:
Zwei Pfarrer unterhalten sich. Sagt der eine: „Ich hatte heute einen anstrengenden Tag: zwei Beerdigungen, zwei Kremationen und eine Kompostierung!“ – „Wieso Kompostierung?“ „Na ja, die Grünen werden auch älter ...“
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, nein, Sie sind heute nicht in der falschen Vorstellung, und der Diakon hat auch heute morgen keinen kräftigen Schluck Messwein auf nüchternen Magen getrunken.
Sie sind völlig richtig im Ostergottesdienst und feiern mit mir und miteinander den Sieg des Lebens über den Tod. Manche von Ihnen habe ich über die kleinen Witze herzhaft lachen sehen, manche haben nur geschmunzelt, einige haben die Stirn in Falten gelegt und möglicherweise gedacht: Spinnt der? Erzählt am ersten Osterfesttag Witze, auch noch in der Kirche, auch noch im Gottesdienst! Ja, darf man das überhaupt?
Ja, man darf! Denn – um was geht es denn heute? Und um was geht es nicht?
Es geht nicht um ein billiges Unterhaltungsprogramm; es geht auch nicht um einen krampfhaften Versuch, Kirche zu einem attraktiven Event und im Gottesdienst Comedy zu machen. Auch wenn schon Goethe in seinem „Faust“ reimte: „Ich hab´ es öfters rühmen hören, ein Komödiant könnt´ einen Pfarrer lehren.“
Nein! Das, um was es geht, was an Ostern geschehen ist, kann man nicht rational oder gar wissenschaftlich erklären: Man muss es erleben.
Wir alle wissen: Wer lacht, fühlt sich einen Moment frei von allen Sorgen und erfährt etwas von der Leichtigkeit des Seins und der Seligkeit des Himmels.
Wer lacht, spürt etwas von Lebenslust und ist, so meinte man in früheren Zeiten, empfänglicher für die Osterbotschaft, die den Sieg des Lebens über den Tod, die Befreiung und Erlösung der Menschen in Jesus Christus verheißt.
Im Osterlachen nehmen wir etwas von der Freude vorweg, die Gott uns im ewigen Leben schenken will. In der Osterliturgie der Kirche ist die Tradition vom sog. „risus paschalis“, vom Osterlachen, tief verwurzelt und will sagen: Nicht Leid, Gewalt, Hass, Unglück und Tod haben das letzte Wort, sondern der lebendige Gott, der seinen zu Tode gefolterten Sohn nicht hat im Grabe liegen lassen.
Also, wenn das kein Grund ist zur Freude, zur Heiterkeit, zum Lachen, dann möchte ich wissen, worüber wir überhaupt noch lachen und uns freuen können.
Wer zu Ostern lacht, weiß:
Es gibt viele Gründe, die einem das Lachen im Halse ersticken lassen.
Aber er weiß auch: Mein Leben endet eines Tages nicht in irgendeiner Sackgasse, in irgendeiner Dunkelheit, sondern im Glanz der Herrlichkeit und der Ewigkeit. Wer um diese Ewigkeit weiß, hat den rechten Humor, so schreibt der Dichter Jean Paul einmal, und darf auf Erden schon mal über den Gegensatz von Letztem und Vorletztem schmunzeln und sich dabei selbst auf die Schippe nehmen.
Das Gelächter ist der Hoffnung letzte Waffe und wandelt Resignation und Verzweiflung, Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit in unerschütterlichen Optimismus.
So wie es im Psalm 126 heißt: „Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, / da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen / und unsere Zunge voll Jubel.“
Oder in der Offenbarung des Johannes: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“
Und im Lukasevangelium Kapitel 6 gibt es eine Seligpreisung, die kaum einer von uns kennt, die uns aber aufhorchen lässt: „Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.“
Damit wird nicht bloß auf das Jenseits vertröstet, sondern: Weil Jesus Angst und Tod überwunden hat, können auch wir auf unsere Angst und auf unseren Tod schauen – und dabei lachen.
Im Lachen, in den kurzen Augenblicken der Freude, des Entspanntseins, der Glückseligkeit, begegnet uns das Heilige, dieser Urstrom der Lebendigkeit, der Liebe Gottes zu uns Menschen.
Und Ostern ist dafür die Garantie. Was Freude bedeutet, kann nur der ermessen, der auch weiß, wie sich Trauer anfühlt. Im christlichen Glauben ist Lachen ausdrücklich erwünscht, nicht das vordergründige Grinsen, nicht das hämische, niederschmetternde, verspottende Lachen, nein, sondern das aufrichtige, strahlende, übermütige, befreiende, ansteckende, mitreißende und herzliche Lachen, das die österliche Freudenbotschaft zum Leben in sich birgt.
Zum echten und wahren Christsein gehört eine dankbare Heiterkeit, die ihre nie versiegende Quelle im Ostersieg Christi über Leid und Tod hat.
Haben wir das Lachen in der Kirche wirklich verlernt? Es muss zweifellos etwas schief gelaufen sein, wenn Friedrich Nietzsche zu dem Schluss kommt: „Erlöster müssten mir die Christen aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“
Ostern, liebe Schwestern und Brüder, ist das älteste und wichtigste Fest der Christen. Wir haben in der vergangenen Nacht mit dem Ruf „Lumen Christi“ den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit gefeiert, die Wende von der Trauer zur Freude, vom Tod zum Leben.
Glocken und Orgel lösten die traurigen und deprimierenden Gesänge des Karfreitags in tosendem und brausendem Jubel auf.
Was der Engel den Frauen beim Anblick des leeren Grabes sagte, gilt auch für uns: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten. Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Wenn das kein Grund zur Freude und zum Lachen ist?
Wir sollten das an dieser Stelle noch einmal miteinander üben:
Die Erzieherinnen eines Kindergartens hatten die ihnen anvertrauten Kinder auf einen Kirchenbesuch vorbereitet und ihnen schon viele Geschichten über die Personen erzählt, die auf den Bildern und als Figuren zu sehen sind. Und so warteten die Kleinen gespannt auf den Tag, an dem sie diese Heiligen alle sehen durften. Ehrfürchtig betraten sie das Gotteshaus, erkannten z. B. den sel. Bernhard von Baden, den Hlg. Antonius, die Gottesmutter Maria und den Markgrafen Ludwig von Baden auf seinem Grabmonument hier hinter mir. Als sie sich wieder auf den Heimweg zurück in den Kindergarten machten, verabschiedeten die Kinder sich in der von ihnen gewohnten Form und riefen: Adieu Maria, ade Anton, Ciao Türkenlouis, Wiedersehen Bernhard.
Ein Pfarrer, der sich an diesem Vormittag im Beichtstuhl niedergelassen hatte und mangels Nachfrage etwas eingenickt war, wurde durch das fröhliche Lachen der Kinder wach und öffnete die Tür einen Spalt, um nach dem Rechten zu sehen. In diesem Augenblick marschierte ein kleiner Junge an ihm vorbei und rief: Tschüss Kasperle.
Liebe Schwestern und Brüder, wir feiern die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, wir feiern die Auferstehung mitten unter uns, wir feiern die Auferstehung in uns.
Wir stehen auf aus den Gräbern unserer Angst und Resignation, aus den Gräbern des Selbstmitleids und der Selbstbeschuldigung. Wir lassen zu, dass Gott die Steine, die auf uns lasten und uns vom Leben fernhalten, auf die Seite schiebt. Wir spüren, wie die inneren Stimmen, die uns herumkommandieren möchten, in sich zusammenfallen wie die Wächter am Grab.
Wir nehmen unsere Auferstehung an als Erlaubnis zu leben. Wir lassen Schuldgefühle, die uns quälen, Verletzungen aus unserer Vergangenheit im Grab der Zeit und stehen an der Hand Jesu Christi als neuer Mensch auf. Wir erfahren Auferstehung in dem Bewusstsein, dass es nichts gibt, was uns von Gottes Liebe trennen kann.
Könnten wir sonst singen: Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit, denn unser Heil hat Gott bereit?
Halleluja, Jesus lebt! Der Tod hat keine Chance! Darüber dürfen wir uns von Herzen freuen und  lachen.
Und zum Schluss meiner Predigt noch diesen:
Ein Zuhörer sagte einmal zu einem Prediger: „Die ganze Nacht konnte ich nach Ihrer Predigt nicht schlafen!“ – „Solchen Eindruck hat die Predigt auf Sie gemacht?“ – „Nein. Ich bin bloß bei der Predigt eingeschlafen und wenn ich am Tag schlafe, liege ich die ganze Nacht wach.“
Und so hoffe und wünsche ich Ihnen, dass Sie alle heute Nacht tief und fest schlafen und nicht wach liegen!
Voller Osterfreude möchte ich deshalb noch einmal bekräftigen: Freut euch und lacht: Der Herr ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja. - Amen

 
     
Mai
2007


Mit Maria

Meditationen aus dem Glauben


Maria, Schwester so vieler,
die deinem Sohn auf ihre Weise folgen,
zeige ihnen immer neu, was die Liebe vermag.

Maria, Mutter so vieler,
die sich als deine Kinder verstehen,
lass sie erfahren, wozu das Vertrauen befähigt.

Maria, gute Freundin, für so viele,
die unauffällig ihren Glauben im Alltag leben,
hilf ihnen, bereitwillig deinem Beispiel zu folgen.

Maria, große Frau von so vielen verehrt,
vielfältig beschrieben und besungen,
stärke sie alle in der Treue
zu Christus in unserer Zeit.

Maria, erfahrene Beraterin,
von vielen aufgesucht in ihrem Kummer,
in Krankheiten, im Sterben und in der Trauer,
lindre den Schmerz und weise Wege
zum Trost und zu neuem Vertrauen.

Maria, du Morgenstern,
von vielen als Zeichen der Hoffnung gesehen,
lass jeden Menschen diese Grundkraft finden,
auch wenn er sie zeitweise nicht spürt.

Maria, du liebe Frau vom Rosenkranz,
in ihm von vielen tagtäglich angerufen,
lass uns in den freudenreichen und schmerzlichen
Geheimnissen deines Lebens unsere eigenen
wiederfinden und sie betend vor Gott betrachten.

Paul Weismantel
 

     
April
2007

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“
Lk 24,5f

Mit diesen Worten wird uns in diesem Jahr die Osterbotschaft aus
dem Evangelium des Lukas verkündigt. Beim Hören dieser Stelle
kam mir die Frage: Wo suche ich, wo suchen wir das Leben? -
Oder noch besser gefragt: Denjenigen, der mich und uns aus dem
Tod herausführen will? Kann es sein, dass auch wir an der falschen
Stelle suchen? Dass auch wir Boten und Botschaften brauchen,
welche uns das rechte Verständnis und den wahren Weg
zum Auferstehungsereignis weisen?

Die Frauen sind, wie uns alle Evangelien berichten, die ersten,
welche sich auf den Weg machen. Sie wagen es, um der Liebe
willen. Sie wollen ihrem Herrn und Meister einen letzten Dienst
erweisen, indem sie seinen Leichnam salben.

Das Leben ging weiter, wie wir so treffend zu sagen pflegen. Die
Frauen waren bereit, weiter zu leben. Deshalb konnten sie, als
sie das Grab erreichten, auch weiter geführt werden bis hin zum
Auferstehungsglauben. Dieser Auferstehungsglaube zeichnet sich
dadurch aus, dass er weiter ist, als wir uns dies vorstellen und erhoffen
können. Er geht weit über unsere Vorstellungen hinaus.

Wir erfahren dabei, dass Auferstehung nicht etwas Festes oder
Unbewegliches meint, sondern immer mit Aufstehen, Bewegung
und Weitergehen zu tun hat. Der Auferstandene ist in Bewegung,
er kann nicht mehr festgehalten werden, er begegnet seinen Jüngern
und Freunden auf ihren Wegen, in ihrem Alltag und er will,
dass auch sie sich wieder auf den Weg machen.

Das Ziel des Auferstandenen heißt: Uns neues und erfüllendes
Leben in seinem Namen zu schenken durch den Glauben.

In diesem Sinne wünsche ich all unseren Pfarrangehörigen, vor
allem auch unseren kranken und leidenden Schwestern und Brüdern,
ein friedvolles und gesegnetes Fest der Auferstehung unseres
Herrn und grüße Sie von ganzem Herzen

Ihr Thomas M. Maier, Pfarrer

     
März
2007

Gedanken zur Fastenzeit

Das Grundmotiv des Fastens ist nicht an erster Stelle Entsagung und Weltflucht, sondern die Sehnsucht nach "Mehr" an Leben. Es liegt eine tiefe Sehnsucht im Fasten, nämlich nach Freiheit, nach der Entdeckung tiefer Schichten des Lebens, nach Einheit mit Gott und dem Kosmos, nach sensiblerer Wahrnehmung der Schönheit der Schöpfung.

So sagte Ali Ibn Abu Talib, der große Weise aus der Tradition der Sufiten, im 7. Jahrhundert n. Chr.:
"Es ist noch keine Entsagung, wenn du nichts besitzt. Entsagung bedeutet vielmehr, dass nichts dich in Besitz nimmt."

 
     
November
2006

Advent - Beginn des Kirchenjahres

Die Adventszeit lässt sich in ihren Anfängen bis ins 5. Jahrhundert und ins Gebiet um Ravenna in Italien zurückverfolgen. Damals wurde der Sonntag vor dem Fest der Geburt Christi der Vorbereitung hierauf gewidmet. In Rom gab es eine Adventsliturgie erstmals im 6. Jahrhundert. Gregor der Große setzte dann erstmals die Zahl der vier Adventssonntage fest. Diese Praxis hat sich aber nicht überall verbreitet, in Mailand feiert man heute noch eine Adventszeit von sechs Wochen. Im 13. Jahrhundert war es vor allem der Franziskanerorden, der die römische Praxis verbreitete. Papst Pius V. schrieb dann die römische Adventsliturgie endgültig für die gesamte Kirche - ausgenommen Mailand - fest.

Von Anfang an hatte die Adventszeit den Charakter einer Buß- und Fastenzeit als Vorbereitung auf das Christfest. Traditionell durfte in der Adventszeit nicht getanzt und nicht geheiratet werden. Als Beginn des Kirchenjahres wird der 1. Sonntag im Advent seit Mitte des 8. Jahrhunderts gefeiert.
Der 1. Adventssonntag – „1. Advent“ ist zwar volkstümlich und verbreitet, aber eigentlich falsch - ist der 1. Sonntag nach dem 26.11. oder auch der
4. Sonntag vor dem 25.12., dem Weihnachtsfest.
 

Die vier Adventssonntage haben jeweils ihr Thema:

· Der 1. Adventssonntag thematisiert die erwartete
Wiederkunft Christi am letzten Tag.
· Am 2. und 3. Adventssonntag steht Johannes, der Täufer,
im Mittelpunkt.
· Der 4. Adventssonntag ist in der katholischen Kirche
Maria, der Mutter Gottes, gewidmet,
in den protestantischen Kirchen thematisiert er allgemeiner
die nahende Freude der Geburt Christi.

Die Tradition des Adventskranzes ist noch jung, sie geht zurück auf Johann Hinrich Wichern. Im Dezember 1838 entzündete er zum ersten Mal im
„Rauhen Haus“ jeden Tag im Advent eine Kerze, später steckte er die Kerzen dann auf einen Holzkranz. Das Kerzenlicht symbolisiert Christus als das „Licht der Welt“ (Johannesevangelium 8,12). An Weihnachten erhellte dieser Lichterkranz dann feierlich den Saal. Dann wurden die Wände des Saals mit grünen Zweiglein geschmückt, 1860 wurde erstmals der Holzreifen mit Tannenreisig umwickelt, damit war der Adventskranz wie man ihn heute kennt geboren. Dieser Brauch wurde rasch von evangelischen Familien übernommen.

1925 erst hing erstmals solch ein Adventskranz auch in einer katholischen Kirche: in Köln, 1930 auch in München. Inzwischen ist der Brauch weltweit verbreitet. In der katholischen Kirche werden die häuslichen Adventskränze auch in der Kirche geweiht.
Der erste gedruckte Adventskalender erschien 1902 in der evangelischen Buchhandlung in Hamburg in Form einer Weihnachtsuhr, 1904 wurde dem „Neuen Tagblatt Stuttgart“ ein Adventskalender als Präsent beigelegt. 1908 verließ der erste, wenn auch noch fensterlose, spezielle Adventskalender die Druckpresse: Gerhard Lang, Pfarrerssohn aus Maulbronn in Württemberg, druckte als „Münchener Weihnachts-Kalender“ farbige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen zweiten, mit Zahlen von 1 bis 24 versehenen Pappkarton geklebt werden konnten. Um 1920 erschienen die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen auf dem Markt, wohl im Jahr 1958 gab es den ersten mit Schokolade gefüllten Adventskalender.

Bauernregel: „Ist's in der (ersten!) Adventwoch' kalt,
  so dauert die Kält' noch Wochen halt.“

Zusammengestellt von Stefan Lutz-Bachmann, Diakon

 
     
Oktober
2006

Allerheiligen,
das Fest, an dem uns bewusst wird, wozu wir erwählt sind;

Allerseelen,
der Tag der großen Solidargemeinschaft der Gläubigen.

Mit diesen zwei Fest- und Gedenktagen tritt die Katholische Kirche in den Monat November ein. Nachdem wir im Oktober Erntedank gefeiert haben, wenden wir uns nun am Ende des Kirchenjahres den „letzten Dingen“ zu. Was ist das, was uns am Ende erwartet? Und wie können wir in diesem Ende bestehen? Die Antworten auf diese Fragen sind nicht einfach und leicht, aber dennoch wichtig und für unser Leben entscheidend.

Die beiden Festtage machen uns wieder neu bewusst, dass wir alle zum Heil berufen sind. Dies bedeutet auch darauf zu vertrauen, dass Gott ein bedingungslos Liebender ist. Gott meint es gut mit uns. Er liebt uns auch mit unseren Fehlern, wichtig ist nur, dass wir sie zugeben und uns immer wieder ihm zuwenden. Auch durch schmerzliche Erfahrungen wachsen wir zu ihm hin, aber nur, wenn wir uns dafür entscheiden. Die Heiligen lehren uns den Umgang mit Schmerz und werden so zu Vorbildern im Glauben, an denen wir uns orientieren können.

Das Heil der vielen Heiligen lag gerade darin, auch ganz unterschiedliche Wege gegangen zu sein. Dadurch hatten sie Vieles mit Vielen zu teilen. Die Lebensgeschichten der Heiligen zeigen uns bis heute, dass diese häufig ganz eigene Wege gegangen sind und ihre Entscheidungen treffen mussten. Dazu gehörten auch die Erfahrungen von Schuld und Sünde. Jeder von uns weiß, dass wir als Menschen schuldig werden und „arme“ Sünder sind.

Der Mensch braucht die Erlösung. Daran erinnert uns Allerseelen. Gott selbst hat den Grundstock für diese Erlösung gelegt. Durch das Leben, Leiden und Sterben von Jesus hat er uns einen Schatz bei Gott erworben, aus dem wir für alle Zeiten schöpfen können. Aber nicht nur Jesus hat in diesen Schatz Gottes eingezahlt, jeder von uns kann in diesen Schatz einzahlen, durch gute Werke, Gebete und noch so kleine Liebesdienste. Wir, die wir von Paulus alle als Heilige angesprochen werden, dürfen das ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt (vgl. Röm 1,7 und Kol 1,24).

Wenn wir am Allerseelentag (und natürlich auch an den anderen Tagen des Jahres) an unsere lieben Verstorbenen denken und für sie beten, können wir ihnen Wohltaten aus diesem Schatz Gottes zugute kommen lassen.

Die Erinnerung und das Gedenken an sie macht deutlich, dass das Leben eng mit dem Loslassen verbunden ist. Wenn wir unser Bestes im Leben versuchen, dann können wir die Erfahrung machen, dass durch Gott die Begrenztheit des Lebens überwunden und wirkliche Freiheit gewonnen wird. Solche kleinen Erfahrungen im alltäglichen Leben im positiven Sinne zu erleben, das wünsche ich uns allen für die beiden Festtage. Denn die kleinen Tode des Lebens sind die Vorbereitung für die Bewältigung des Todes am Übergang von diesem Leben in die Herrlichkeit Gottes, welche uns verheißen ist.

Pfarrer Thomas M. Maier

 
     
September
2006

Herr, von den Früchten deiner Schöpfung werden alle satt.
Du schenkst den Menschen Brot von der Erde
und Wein, der sein Herz erfreut.
(Kommunionvers aus dem Messbuch nach Ps 104,13-15)

Liebe Schwestern und Brüder im gemeinsamen Glauben!

In der Katholischen Kirche ist ein Erntedankfest seit dem 3. Jh. belegt. Der Festzeitpunkt fällt weltweit, je nach Klimazone, unterschiedlich. In Deutschland ist der erste Sonntag im Oktober erst 1972 von der Bischofskonferenz festgelegt worden.

Auch in unseren Kirchengemeinden preisen wir den Herrn, unseren Gott, für „… die Frucht der Erde …, Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit“, wie es im Begleitgebet zur Gabenbereitung lautet, und legen symbolhaft Erträge der Ernte wie Kartoffeln, Wein und Getreide vor den Altar. In einer Zeit, in der viele Menschen nur noch Milch aus der Pappe und Gemüse aus der Dose kennen,

erinnern uns diese Früchte an die Arbeit der Bauern und daran, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen.

Im übertragenen Sinn können Früchte mit dem menschlichen Wirken in Verbindung gebracht werden: von fruchtbaren Gesprächen ist die Rede, von den Früchten des Erfolges oder, dass etwas auf fruchtbaren Boden gefallen sei. Gewiss sind Erfolge auch das Ergebnis von Können und Tüchtigkeit. Jedoch hängt nicht alles von eigener Geschicklichkeit und Fähigkeit ab. Vieles ist geschenkt und nicht machbar; darauf verweist schon das Wort "Begabungen". Und diese sind vielfältig und verschieden - wie die Früchte, die wir vor den Altar legen. Ist nicht der Geber dieser Gaben Gott und dürfen wir unser Leben und die Früchte unserer Arbeit nicht IHM verdanken?

Zusätzlich lässt das Erntedankfest auch nachdenklich stimmen. In einer Industriegesellschaft erleben wir immer weniger den Zusammenhang von Säen und Ernten. Landwirtschaftliche Produkte stehen heute - unabhängig von der Erntezeit - das ganze Jahr zur Verfügung.

Bei näherem Hinsehen erkennen wir, dass einige Menschen viel, manchmal zuviel von den Gaben dieser Erde haben und andere wenig oder gar nichts. Wir wissen, dass ungezählte Menschen für ihr tägliches Brot unter schwersten Bedingungen arbeiten müssen und zudem einen unfairen Lohn erhalten. Wenn wir im Wachstum der Früchte Gottes Güte erfahren, stellt sich mir die Frage, ob wir dabei stehen bleiben oder ob wir weiterschenken an die, die zu wenig haben. Das Erntedankfest könnte hier eine Möglichkeit sein, unser Handeln neu zu überdenken und beispielsweise Produkte aus „Fairem Handel“ zu kaufen, die jeden 1. Sonntag im Monat nach dem 9.30-Uhr-Gottesdienst in der Stiftskirche
zum Verkauf angeboten werden.

So wünsche ich uns allen
ein gesegnetes Erntedankfest!

Ihre Gemeindeassistentin Ute Wick

 
     
August
2006


Liebe Mitchristen der
Seelsorgeeinheit Baden-Baden Mitte!

Endlich, endlich ist sie da, die Ferien- und Urlaubszeit!
Schulfrei, arbeitsfrei, stressfrei.
Gottfrei?

Das muss nicht sein, warum auch? Ob ich in Baden-Baden oder am Urlaubsort eine Hl. Messe besuche, ist eigentlich gleich. Eine Eucharistiefeier ist und bleibt eine Eucharistiefeier. Und es macht doch schon deshalb „Spaß“ katholisch (griechisch für „weltweit, allumfassend“) zu sein, weil wir uns in jeder Eucharistiefeier überall zu Hause fühlen dürfen, ist doch die Liturgie und in ihr die Rituale überall wiederzufinden und, von wenigen regionalen Unterschieden abgesehen, vertraut und bekannt. Und wir wissen ja alle, was bei der Hl. Messe passiert, so dass es auch nicht weiter schlimm ist, wenn man der fremden Sprache im Urlaubsland nicht mächtig ist.

Für die, die den Gottesdienst in der fremden Sprache mitfeiern und -verfolgen wollen, sei das „Taschenmessbuch“ (St.-Benno-Verlag, Leipzig, ISBN 3-7462-1991-4) empfohlen, in welchem die kompletten Mess-Texte in Deutsch, Latein, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch parallel abgedruckt sind. Es ist ein kleines, handliches Büchlein, welches auch das Bordgepäck im Flugzeug nicht sehr belasten dürfte.

Und was die sonntäglichen Lesungen angeht, so sei auf dieses vor Ihnen liegende Verkündblatt hingewiesen, in welchem Sie die genauen biblischen Stellenangaben finden. Und falls Ihnen eine Bibel im Reisegepäck zu schwer ist, dann finden Sie auch so Zugang zur Bibel, nämlich in jedem der an Urlaubsorten zahlreich vorhandenen Internetcafés: Unter www.einheitsübersetzung.de haben Sie weltweit Zugang zu den deutschsprachigen biblischen Texten. Sie müssen nur AT oder NT und dann die betreffende Stelle anklicken. Das funktioniert, egal ob sie auf Sylt oder den Kanarischen Inseln, ob Sie im Schwarzwald oder den Rocky Mountains, ob Sie in der Lüneburger Heide oder in Neuseeland sind. Also: Die Ausrede, dass jemand keinen Gottesdienst besuchen konnte wegen sprachlichen Unvermögens, darf ab jetzt eigentlich nicht mehr gelten.

Und schließlich: Beginnen Sie Ihre Reise doch mit Gott! Beten Sie - allein oder mit Familie, im Auto oder vor dem Einchecken, auf dem Bahnsteig oder dem Fahrrad - den Reisesegen, den Sie z.B. im Gotteslob unter Nr. 13,6 (sehr knappe Form!) finden
oder auch im Internet z.B.
unter http://www.karl-leisner-jugend.de/Reisesegen.htm  ,
unter http://www.corrvus.de/IrischerSegen.htm oder
unter http://www.refsg.ch/anzeige/projekt/86/124/reisesegen_gebete_und_impulse.doc

So wünsche ich Ihnen einen gesegneten Urlaub voller Gelassenheit und Freude mit einem hohen Erholungswert für Körper, Geist und Seele, aus dem Wissen, dass wir alle in Gottes Hand sitzen.

Stefan Lutz-Bachmann
Diakon

 

 
     
Juli
2006

Urlaub braucht seine Zeit

Das braucht seine Zeit
bis die Tage den anderen Rhythmus
lernen und langsam im Takt der Muße schwingen

das braucht seine Zeit
bis die Alltagssorgen Ruhe finden
die Seele sich weitet und frei wird
vom Staub des Jahres

Hilf mir in diese andere Zeit Gott
lehre mich die Freude und
den frischen Blick auf das Schöne
den Wind will ich spüren und
die Luft will ich schmecken

Dein Lachen will ich hören
Deinen Klang

Und in alledem
Deine Stille

Carola Moosbach
 

 
     
     
Juni
2006

Von den Schwierigkeiten, heute ein Priester zu sein.

Bei Priesterjubiläen hörte ich oft - vom Jubilar oder seinem Jubiläumsprediger - den Satz: Er - oder ich - habe es nie bereut, Priester geworden zu sein. Das wird man bei mir nicht hören. Gewiss, ich glaube, ich habe meine Weihe ehrlich empfangen. Ich war und bin auch, da bin ich mir sicher, berufen zum Dienst als Priester und habe 40 Jahre lang versucht, diesen Dienst zu leisten, wie auch immer das Gott einmal beurteilen mag. Aber es ist heute schwer, Priester zu sein.

Da sind zu allererst meine Schwierigkeiten mit Gott selber. Dieses permanente Schweigen Gottes über das Elend in unserer Welt nimmt mich mit.

Ich leide mit an den vielerlei Katastrophen in der Welt und im Leben meiner Mitmenschen. Gott ist dunkel geworden, auch für mich als Priester.

Andererseits: In Gebet und Meditation fühle ich mich mit ihm zutiefst verbunden. Die sonntägliche Eucharistiefeier mit den Gemeinden gibt mir selber immer wieder Trost und Halt. Viele tröstliche Worte der Schrift begleiten mich mein Leben lang. Etwa: "Ich will euch trösten, wie einem eine Mutter tröstet." Oder: "Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und werde euch ein neues, ein menschliches Herz geben." Und: "Wenn unser Herz uns anklagt, dann ist Gott größer als unser Herz. Und er weiß alles." Viele Stunden und Zeiten konnte ich durchstehen, weil ich Gott in meinem Leiden fühlte. Da sind auch die Schwierigkeiten mit den Gemeinden. Trotz vieler, manchmal allzu vieler Anstrengungen schrumpfen sie und dünnen aus. Die Patentrezepte unserer Kirchenführung sind oft wenig hilfreich. Immer weniger Menschen können wir zum Wagnis des Glaubens verlocken. Und da ich überzeugt bin, dass das Evangelium auf zwei Beinen zu den Menschen kommt, bin ich immer wieder geneigt, die Schuld zunächst bei mir selbst zu suchen. Ein Wort eines älteren Priesters half mir weiter: "Wenn ich mich den ganzen Tag abgemüht habe, dann sage ich manchmal beim Abendgebet zu Gott: Eigentlich könntest du : jetzt mal was tun!" Das ist ein Gebet aus der Not der Seelsorge. Ich bete es seither oft.

Und schließlich möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, die mich lange begleitete: Rabbi Levi traf nach dem Sabbatgottesdienst einen Mann, der laut und herzhaft lachte. Der Rabbi sah ihn an und sagte: "Dieser wird Gott immer sehr nahe sein." Und als nun die Umstehenden verwundert nach dem Warum fragten, sagte er: "Weil Gott sein Lachen braucht." Weil ich auch nach 40 Priesterjahren noch lachen kann, manchmal leise schmunzelnd, manchmal laut und herzhaft - auch im Blick auf mich selber und meine Gemeinden - und auch auf unsere Kirche heute, glaube ich doch, manches von Gott begriffen und: die 40 Jahre meines Priestertums gut genutzt zu haben.

 

Das "Wort zum Wochenende" schreibt Pfarrer Norbert Häusle, St. Josef Baden-Baden.
     
Mai
2006



Der Segen für die Welt

Natürlich ist die Eucharistie für den Glauben ein Mysterium der Intimität. Der Herr hat das Sakrament im Abendmahlssaal eingesetzt, umgeben von seiner neuen Familie, den zwölf Aposteln, Vorschau und Vorwegnahme der Kirche aller Zeiten. Darum wurde die Austeilung der heiligen Kommunion in der Liturgie der Urkirche mit den Worten eingeleitet: Sancta sanctis - die heilige Gabe für die, die heilig gemacht worden sind. Auf diese Weise antwortete man auf die Mahnung des heiligen Paulus an die Korinther: „Jeder prüfe sich selbst und esse dann von diesem Brot und trinke von diesem Kelch …“

Und dennoch - aus dieser Intimität heraus, die ein sehr persönliches Geschenk des Herrn ist, übersteigt die Kraft des Eucharistie-Sakraments die Mauern unserer Kirchen. In diesem Sakrament ist der Herr immer unterwegs zur Welt. Dieser universelle Aspekt der eucharistischen Präsenz zeigt sich in unserer festlichen Prozession. Wir tragen Christus in der Gestalt des Brotes über die Straßen unserer Stadt. Wir vertrauen diese Straßen, diese Häuser, unser tägliches Leben seiner Güte an. Mögen unsere Straßen Wege für Jesus sein! Mögen unsere Häuser Häuser für ihn sein, und mit ihm! Unser tägliches Leben möge durchtränkt sein von seiner Gegenwart.

Mit dieser Geste bringen wir die Leiden der Kranken vor seine Augen, die Einsamkeit der Jungen und Alten, die Versuchungen, die Ängste - unser ganzes Leben. Die Prozession will ein großer, öffentlicher Segen für diese unsere Stadt sein: Christus selbst ist der göttliche Segen für die Welt - der Strahl seines Segens breite sich aus über uns alle! Papst Benedikt XVI. zu Fronleichnam 2005
 

Papst Benedikt XVI. zu Fronleichnam 2005
 

 
     
März
2006


 

Gedanken zur Fastenzeit von Pastoralreferent Günther Engels

Kerl wach uff, vergess dei Not dei Ploog,
kurz isch's Lebe, darum Hinne Hooch!

Dieses Lied erklang in meiner früheren Heimat Buchen im Odenwald auch dieses Jahr wieder allerorten zur „Faschenacht“, wie dort die Faschingszeit genannt wird.
Ich finde diesen Faschenachtsschlager deshalb so interessant, weil in ihm kurz und knapp sehr viel von dem zum Ausdruck kommt, worauf es in der uns bevorstehenden Fastenzeit ankommt.

Dazu betrachten wir das oben genannte Lied einmal etwas näher:
Zunächst heißt es da, ins Hochdeutsche übersetzt: „Mensch, wach auf!“ Genau darauf kommt es in der Fastenzeit an: Wir sollen aufwachen aus dem Schlaf der vermeintlich Gerechten und uns klar machen: „Kurz ist das Leben“ oder wie es uns am Aschermittwoch wieder ins Bewusstsein gerufen wurde: Gedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.

Mit: „vergess dei Not dei Ploog“, also „Vergiss deine Not und alles, was dich plagt!“ soll nicht das Schwere und Leidvolle in unserem Leben weggesungen werden. Vielmehr kann damit auch gemeint sein, dass uns unsere eigenen Nöte und Ängste oft den Weg versperren zum Anderen und zu Gott hin. Öffnen wir uns wieder neu für den Anruf Gottes und öffnen wir wieder neu unsere Augen für die Menschen um uns herum, für ihre Ängste und Nöte.

Dass dies nicht einfach ist, dürfte jedem und jeder klar sein. Auch deshalb gibt es ja die Fastenzeit: eine ganz bestimmte, festgelegte Zeit, in der wir einmal abschalten sollten, um uns wieder neu zu besinnen auf das, was kommt: auf das höchste Fest unseres Glaubens, auf Ostern.

Also gilt für uns alle: „Hinne Hooch!“, was ich frei mit: „Steh auf!“ und etwas wörtlicher mit: „Beweg deinen Hintern in die Höhe!“ übersetzen würde. Wir selbst müssen uns bewegen, ich muss mich bewegen, damit in mir wieder etwas in Bewegung kommen kann. Damit ich mich wieder neu auf die Botschaft Jesu einlassen kann, die mein ganzes Leben betrifft, nicht nur den Sonntag und auch nicht nur die Fastenzeit.

 

 

 
     
Februar 2006


 

„Deus caritas est“ - „Gott ist die Liebe“

Vor wenigen Tagen, am 25. Januar, hat Papst Benedikt XVI. seine erste Enzyklika, d.h. sein erstes feierliches Lehrschreiben, veröffentlicht. Sie trägt den Titel „Deus caritas est“ - „Gott ist die Liebe“ und behandelt das Thema der christlichen Liebe.

Kein anderes Wort ist ja einerseits so in aller Munde wie das Wort „Liebe“; kein anderes Wort wird jedoch auch so missbraucht, sodass man sich oft fragen muss, ob denn wirklich alles „Liebe“ ist, was man so nennt. Mit großem Mut und Entschiedenheit widmet sich der Papst diesem Zentralthema des christlichen Glaubens. Wenn der dreieinige Gott in sich eine Gemeinschaft der Liebe und des Lebens ist, sodass Johannes schreiben kann: „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8.16), dann muss es für den Menschen, der nach Gottes Abbild geschaffen ist, letztlich nichts Wichtigeres und Zentraleres im Leben geben können als die Liebe - und zwar eine Liebe, die diesen Namen mit Recht führt und verdient.

Papst Benedikt analysiert in seinem Schreiben die verschiedenen Formen der Liebe und setzt sie zueinander in Beziehung. So gibt es sowohl unter den Menschen wie auch im Verhältnis des Menschen zu Gott eine „begehrende“ und eine „schenkende Liebe“. Man könnte diesen Unterschied mit den Begriffen von Eros und Agape bezeichnen, wobei Eros eher das sinnliche Moment der Liebe und Agape die geistige Hingabe an die Person des geliebten Menschen oder an Gott bezeichnet: Es begegnen uns die beiden Grundwörter Eros als Darstellung der ‚weltlichen' Liebe und Agape als Ausdruck für die im Glauben gründende und von ihm geformte Liebe.

Liebe ist eine Urkraft des Menschseins, und Gott selber heiligt die menschliche Liebe dadurch, dass er uns in seiner Menschwerdung im Herzen Jesu in der Einheit von göttlicher und menschlicher Liebe angenommen hat:

„Wer Liebe schenken will, muss selbst mit ihr beschenkt werden. Gewiss, der Mensch kann - wie der Herr uns sagt - zur Quelle werden, von der Ströme lebendigen Wassers kommen (vgl. Joh 7,37-38). Aber damit er eine solche Quelle wird, muss er selbst immer wieder aus der ersten, der ursprünglichen Quelle trinken - bei Jesus Christus, aus dessen geöffnetem Herzen die Liebe Gottes selber entströmt (vgl. Joh 19,34).“ (Nr. 7)

Untrennbar gehören die Gottes- und Nächstenliebe zusammen, schreibt der Papst. Gottes- und Nächstenliebe „gehören so zusammen, dass die Behauptung der Gottesliebe zur Lüge wird, wenn der Mensch sich dem Nächsten verschließt oder gar ihn hasst. Man muss diesen johanneischen Vers [nämlich 1 Joh 4,20] vielmehr dahin auslegen, dass die Nächstenliebe ein Weg ist, auch Gott zu begegnen, und dass die Abwendung vom Nächsten auch für Gott blind macht.“ (Nr. 16)

Liebe darf nicht bloße Theorie bleiben. Wer Gott zu dienen meint, aber kein Herz hat für seine Mitmenschen, der hat auch keine wahre Gottesliebe. So ruft der Papst in seiner Enzyklika die ganze Kirche, ja alle Christen und Menschen guten Willens auf, Gott und den Nächsten zu lieben.

In der ersten Gemeinde der Urkirche hatte es bereits begonnen. Und so war es von jeher in der Kirche eine wichtige Aufgabe, die Liebestätigkeit zu üben: 7 Diakone hatten die Apostel in Sachen organisierter Nächstenliebe und sozialem Engagement zu entlasten, deren Hauptaufgabe die Feier der Liturgie und das Verkünden der Guten Botschaft war. Bis heute ist Hilfsbereitschaft der Einzelnen gegenüber den Notleidenden wie auch die organisierte Form der Nächstenliebe („Caritas“) als „Dienst am Menschen“ ein unverzichtbares Wesenselement der Kirche, gleichberechtigt neben der Liturgie, dem „Dienst am Tisch“ (Liturgie) und der Verkündigung, dem „Dienst am Wort“. All das darf - unabhängig von der Schaffung neuer Strukturen und Organisationsformen in den Seelsorgeeinheiten - nicht aus den Augen verloren werden, wenn wir nicht unser eigentliches Fundament verlieren wollen.

Stefan Lutz-Bachmann
Diakon
in der Seelsorgeeinheit Baden-Baden Mitte

 

 

 
     
November 2005 Selig sind die Toten…

Der November wird bekanntlich auch „Monat der Toten“ genannt. Er beginnt direkt mit Allerheiligen und Allerseelen und verläuft weiter über den Volkstrauertag und den Totensonntag. Die welken Blätter liegen auf dem Boden, Nebel hängt tief im Tal und in regelmäßigen Abständen verbreitet sich kalter Nieselregen über das Land. Menschen mit schwarzen Regenschirmen stellen Kerzen und Blumen auf die Gräber ihrer lieben Verstorbenen. Jetzt, ganz am Ende des Kirchenjahres, trauern wir um die Menschen, die uns in unserem Leben fehlen, die wir vermissen. Gott nimmt uns in unserer Trauer an. Christus selbst sagt: „Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden (Mt 5,4).“

Und doch ist Allerheiligen ein Hochfest. An diesem Tag sind wir eingeladen zu feiern. Und das am Höhepunkt unserer Trauer. Wir feiern alle Heiligen, nicht nur die Heiligen, die von der Kirche als heilig erklärt wurden. Aber wer zählt denn nun zu diesen Heiligen?

Heiligkeit ist eigentlich allein Gott zugeschrieben: „Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Höchste…“. Und doch werden auch Orte, Gegenstände und Personen als heilig bezeichnet. Petrus und Paulus bezeichnen die Christen als heiliges Volk. Also sind auch wir heilig. Die Heiligkeit, die eigentlich die Eigenschaft Gottes ist, haben wir durch die Taufe als Geschenk von ihm empfangen. Sie ist heilmachende Gnade. Nur ist unsere Heiligkeit hier auf Erden noch nicht endgültig, da wir unvollkommen sind und uns immer noch von Gott abwenden können. Und trotzdem bedeutet diese Heiligkeit, dass wir auf das ewige Leben hoffen dürfen.

Somit ist der Festtag Allerheiligen das Fest all jener, die nach ihrem Leben hier auf Erden das ewige Leben erlangt haben. Somit feiern wir das ewige Leben, auf welches wir für jeden nun hoffen dürfen und freuen uns mit allen, die uns schon voraus gegangen sind und bereits am göttlichen Leben teilhaben.

Der November: Der Monat, in dem wir voller Trauer und voller Freude unserer Toten gedenken. „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben, von jetzt an; ja, spricht der Geist, sie sollen ausruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke begleiten sie.“ (Off 14,13)

Monika Floss (Praktikantin in der Seelsorgeeinheit)

 
     
Oktober 2005
 



Gottes Ruf braucht ein Ja.
Wer nie klar Ja sagt,
wer immer zögert und revidiert,
wird seine Hand nicht an den Pflug
legen können,
ohne zurückzuschauen.
Ja zum einen Weg heißt aber
immer auch Nein zu anderen Wegen.
Wer auf keine seiner Möglichkeiten
verzichtet,
wer keine verschenken will,
der kann auch nicht die eine,
zu der Gott ihn ruft,
ganz ergreifen und realisieren.

 

Bischof Klaus Hemmerle

 
     
September 2005
 
Maria
 
Ich grüße in dir
die Anmut der Frau
das Geheimnis der Schwangerschaft
das Lachen der Mutter.
 
Ich preise in dir
die gute Hoffnung der Welt
das Keimen des Lebens
die Geburt des Menschen.
 
Ich bete in dir an
das Wirken des Vaters
die Kraft des Geistes
die Gnade Gottes.
 
Ich erbitte von dir
die Liebe der Mutter
das Zartgefühl der Frau
das Gebet der Geliebten.
 
Jetzt und in der Stunde meines Todes.
 
Anton Rotzetter
 

 

August 2005

„Kommt mit an einen einsamen Ort,
wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“
Mk 6,31

Jetzt sind sie endlich da - die Ferien - die freie Zeit, der Urlaub. Die Möglichkeit sich zu erholen, es etwas ruhiger angehen zu lassen oder sich einfach den schönen Seiten des Lebens zuzuwenden. So oder ähnlich denken und fühlen in diesen Tagen und Wochen Millionen von Menschen.

Wir brauchen diese entspannenden Zeiten, Zeiten ohne Stress und Terminkalender, ohne Druck und Sorgen, um aufzutanken, um Kraft zu schöpfen und wieder ganz bei uns zu sein. Das hat auch Jesus gewusst, denn sonst hätte er nicht seine Jünger mit den obigen Worten eingeladen bei ihm, mit ihm und durch ihn zur inneren Ruhe zu finden.

Wir Menschen sind, ebenso wie der Schöpfer selbst, für den siebten Tag geschaffen. An diesem Tag Gottes, am Tag der Ruhe, dürfen wir uns an seiner Schöpfung erfreuen. Wir dürfen uns erkennen als auf Gemeinschaft und Gott hin angelegte Wesen. An diesem Tag sind wir frei von Arbeit, dürfen feiern und voll Freude sein. Das alles gilt hoffentlich zum größten Teil auch für die vor uns liegende Ferienzeit.

Mit dem Ruf: „Kommt mit“ will er uns ermutigen, aus dem Alltag aufzubrechen - im Vertrauen darauf, dass er mit uns geht. Das Ziel ist bekannt und doch immer neu, es ist die Natur - „an einen einsamen Ort“. Dabei sind keine Fremden, nur Freunde oder Familie - „wo wir alleine sind“. „Und ruht ein wenig aus“ - damit ihr vorübergehend ausspannen könnt. Denn dann können wir: zurückkehren - in die Betriebsamkeit - zu den Fremden - und uns wieder neu einsetzen im Alltag.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Ihren Familien, Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten erholsame und mit Ruhe gefüllte Urlaubstage und danach auch eine gute Rückkehr in den Alltag.
Ihr Pfarrer

Thomas M. Maier