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Dienstag, 20. März 2007 / Nr. 66
 
 
 
 

Pfarrer Otto Seifernann wird heute auf dem Hauptfriedhof beigesetzt

Ein Leben für die Gemeinde

VON PETER MÜLLER
Baden-Baden - 25 Jahre lang geleitete Otto Seifermann, von 1967 bis 1992 Stadtpfarrer der Katholischen Pfarrgemeinde St. Bernhard, unzählige Verstorbene zur letzten Ruhe. An diesem Freitag wird er nun selbst nach einem Requiem um 14 Uhr in der Bernharduskirche .auf dem Hauptfriedhof Baden-Baden im Priestergrab beigesetzt. Er starb am vergangenen Sonntag im Alter von 81 Jahren im Pflegeheim St. Vincenzius in Oppenau.

Geboren wurde Pfarrer Otto Seifermann am 12. April 1925 in Lauf, doch wuchs er, aus einer kinderreichen Familie kommend, in Achern auf. Nach dem Abitur in der Lenderschule ging es 1943 zum Arbeitsdienst und Militär. Erst im August 1947 kam er aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Er studierte dann zusammen mit dem schon vor vielen Jahren verstorbenen Dekan Hermann Stiegler (St. Josef) sowie Gymnasialprofessor Hermann Lott in Freiburg Theologie und wurde am 25. Mai 1952 im Freiburger Münster zum Priester geweiht. Seine KaplansteIlen waren in Hechingen und Freiburg-Herdern. Als Pfarrer und Spiritual wirkte er in Impfingen/Tauberbischofsheim, bis ihn dann im Jahre 1967 die Wege nach Baden-Baden als Nachfolger des unvergessenen Stadtpfarrers Alois Ehmann führten.

Getreu seinem Primizspruch "Siehe, ich komme, Deinen Willen zu tun, 0 Gott" war er so von seinem Priesterberuf erfüllt, dass er ihn stets als echte Berufung verstand und diese Berufung auch zu leben versuchte. Es waren sein Wesen, seine persönliche Herzlichkeit und Güte, die ihn mit den Menschen verband, "Der Otto", wie ihn nicht wenige in der Weststadt nannten, wurde zum Familienvater dieses Stadtteils. Die Übernahme der Pfarrei St. Bernhard war für Pfarrer Seifermann seine Lebensaufgabe, weswegen es auch sein ausdrücklicher Wunsch war, nach Baden-Baden zurückzukehren und hier seine "letzte Wohnung" zu nehmen.


NACHRUF

Während seiner Amtszeit wurden in der rund 4 500-Seelen-Gemeinde das Gemeindehaus erweitert, die Bernharduskirche und die Dreieichenkapelle sowie die Bernharduskapelle gründlich saniert. Gleichwohl sah er sich nie als Funktionär, sondern als einen Bruder der Menschen, die ihm anvertraut waren.


In diesem Sinn wirkte er auch als Vorsitzender des hiesigen Caritasverbandes und intensivierte die ökumenischen Kontakte zur evangelischen Paulusgemeinde. Zu seinen Herzensanliegen zählte auch, Kontakte in damals noch schwerer Zeit zu den bedrängten Christen in der DDR aufrechtzuerhalten so
wie die gewachsenen Beziehungen zur Partnerstadt Moncalieri in der gemeinsamen Verehrung des Seligen Bernhard von Baden zu vertiefen;' die Gemeinde Santa Maria de la Scala ernannte ihn zum Ehrendomherr. Auch war er Ritter des Ordens zum Heiligen Grab von Jerusalern, Komturei Baden-Baden St. Bernhard.

Seine angenehme Gelassenheit und sein faires Urteilsvermögen, immer gepaart mit einem Schuss Humor, waren es auch, die ihm Hochschätzung einbrachten.. Seine besondere Fähigkeit lag auch darin, seine Mitarbeiter und den Pfarrgemeinderat eigenverantwortlich arbeiten zu lassen, was nicht nur ihn entlastete, sondern auch zu einem überaus lebendigen Gemeindeleben führte. So sind auch unvergessen viele große Wallfahrten, die er mit der Gemeinde durchführte, bei. denen seine große Spiritualität besonders zum Tragen kam.

Nach seinem Weggang im September 1992 war er als Seelsorger an der Kurklinik S1. Anna in Bad Griesbach und an der Vinzenz-von-Paul-Fachklinik in Bad Peterstal für weitere zwölf Jahre tätig, bevor er krankheitsbedingt diese Aufgabe nicht mehr versehen konnte und seit Anfang 2005 selbst einer Betreuung bedurfte.

Pfarrer Otto Seifermanns Leben war geprägt von der Liebe zu Gott und seinen Mitmenschen. In großer Dankbarkeit und Achtung vor dem Zeugnis seines priesterlichen Glaubens und Lebens müssen nunmehr alle Abschied nehmen, die ihn kannten und schätzten und mit ihm auf irgendeine Weise verbunden waren.

Anmerkung: Der Autor war vieljähriger Pfarrgemeinderatsvorsitzender von St. Bernhard.