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Ein markantes Gebäude Baden-Badens ist die Jugendstilkirche St. Bernhard im Westen der Stadt. Das Foto zeigt die von Leon und Rünzi zum Thema der Anbetung des Lammes ausgemalte Kirchenkuppel von innen. |
Der "Badische Hof" im Kapuzinerkloster Eine kleine Kirchengeschichte von Baden-Baden Baden-Baden ist eine Stadt ganz eigener Art. Die konfessionelle Vielfalt der Stadt entspricht der Vielfalt unter ihren Bewohnern und den Gästen aus aller Welt. Von Christine Schmitt |
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| Mit diesen Worten lässt Ludwig Tieck in einem
Gedicht aus dem Jahr 1810 einen Kapuziner eine für diesen unerträgliche
Situation beklagen. Nicht nur, dass sein Kloster säkularisiert worden war;
es wurde in einer geradezu blasphemischen Weise umgestaltet. Drei Jahre zuvor hatte der erfolgreiche Verleger Johann Friedrich Cotta mit einem Geschäftspartner den Gebäudekomplex vom Großherzog erworben. Kein Geringerer als der Architekt Friedrich Weinbrenner sollte ihn zu einem luxuriösen Hotel umgestalten und damit eine rentable Geldanlage schaffen. 1630, während des Dreißigjährigen Krieges, war das Kloster von Markgraf Wilhelm gestiftet worden, aus dankbarer Erinnerung an die zwei Kapuziner, die ihm 1622 die freudige Nachricht vom Sieg Tillys über den protestantischen Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach überbracht hatten. Nun sollten die symbolträchtigen Klostergebäude durch eine Hotelanlage ersetzt werden, die weder architektonisch noch vom Komfort her Wünsche der Gäste offen lassen sollte. Zimmersuiten zum Teil mit eigenem Bad entstanden über den ehemaligen Mönchszellen, der Kreuzgarten wurde zu einem Speisesaal überwölbt. Die Kirche aber, darauf beziehen sich die eingangs zitierten Zeilen, sollte als Konversations-, Konzert- und Theatersaal genutzt werden. Die ursprüngliche Idee, im ehemaligen Chor der Kirche ein Billardzimmer einzurichten, erschien aber letztlich doch zu heikel. Es sollte einige Zeit dauern, bis der "Badische Hof" bezugsfertig war. Die Kapuziner hatten jedoch bereits 1807 ihr Quartier nach Bruchsal verlagern müssen und ihrem Unmut über die Enteignung tatkräftig Ausdruck verliehen. Sie fällten eine imposante Zeder im Klosterhof, verkauften das kostbare Holz einem ortsansässigen Schreiner und nahmen neben anderen Kunstgegenständen ein vermeintliches Dürerbild mit. Als Entschädigung für die zurückgelassenen Verwüstungen, so entschied der Geheime Rat des Großherzogtums, mussten die Kapuziner die Einnahmen aus dem Zedernholz zurückbezahlen. Hauptort eines römischen Verwaltungsbezirks Zum Zeitpunkt der Investition Cottas hieß Baden-Baden (und offiziell bis 1931) noch einfach Baden und hatte gerade einmal dreitausend Einwohner, von denen lediglich 500 Bürgerrechte besaßen. Neben Handwerk und einer bescheidenen Industrie fanden ein paar Beamte ein Auskommen. Wenig erinnerte zu diesem Zeitpunkt daran, dass die Stadt bereits in der Spätantike eine zentrale Funktion hatte. Die heilsamen Thermalquellen waren der Grund, dass die Römer dort neben Badeanlagen um das Jahr 100 die Siedlung Aquae, übersetzt Wasser, zum Hauptort eines Verwaltungsbezirks machten. Weihesteine zeugen vom Dank römischer Badegäste, die ihre Heilung den warmen Quellen und ihren Göttern zuschrieben. Eine Entscheidung der Familie für Baden-Baden Wahrscheinlich hat sich sogar Kaiser Caracalla in den Bädern von Kämpfen gegen die Alemannen erholt, bevor diese Mitte des dritten Jahrhunderts den Limes überquerten und Baden-Badens römische Epoche beendeten. Dass um 500 Franken eindrangen und die Alemannen nach Süden drängten, macht Baden-Baden in gewisser Weise bis heute sinnlich erfahrbar zu einem kulturellen Grenzort: am Flüsschen Oos trennen sich alemannischer und fränkischer Dialekt; kulinarisch verläuft dort die "Schäufele-Grenze". Mit den Franken begann die Kirchengeschichte des Ortes, dessen wechselnde Besitzverhältnisse viele Fragen offen lassen. Durch die Zugehörigkeit zur Reichsabtei Weißenburg erhielt die erste Pfarrkirche das Peter und Pauls- Patrozinium und wurde nach der dortigen romanischen Basilika architektonisch gestaltet. Ihre bis heute erhaltene Bezeichnung als Stiftskirche verdankt sie der Einrichtung eines Säkularkanonikerstifts durch Markgraf Jakob I. im Jahr 1453. Dessen Vorfahren hatten sich in einem über lange Jahrzehnte dauernden Zeitraum in Baden-Baden angesiedelt, die Burg Hohenbaden als Stammsitz errichtet, den Namen Baden für ihr Geschlecht übernommen und die Stadt zum Verwaltungszentrum ihrer Markgrafschaft ausgebaut. Eine deutliche Entscheidung der Familie für Baden-Baden lässt sich 1243 feststellen, als man Markgraf Hermann V. in dem von seiner Frau Irmengarp gegründeten Cistercienserinnenkloster Lichtenthal beisetzte. (Als badisches Hauskloster überstand dieses später sogar die Säkularisation, musste allerdings den Schulbetrieb aufnehmen.) Markgraf Christoph 1., Enkel Jakob I. und Neffe des seligen Bernhard, legte sich 1479 endgültig auf Baden-Bilden als Residenz fest und ließ das bereits von seinem Urgroßvater begonnene Neue Schloss ausbauen. Unter seiner Herrschaft wurde 1507 die Stadtordnung erlassen, die dreihundert Jahre in Kraft bleiben sollte. Obwohl sich im mittelalterlichen Baden-Baden direkt keine Orden niedergelassen hatten neben dem außerhalb gelegenen Lichtenthai gab es noch einen Franziskanerkonvent auf dem Fremersberg -, beschränkte sich das religiöse Leben nicht auf die täglich durch bis zu 22 Geistliche gelesenen Messen. Neben drei Bruderschaften existierte ein Beginenhaus, in dem eine Gemeinschaft religiöser Frauen sich der Pflege Armer und Bedürftiger widmete. Den alten Glauben auf ein solides Fundament stellen Mit der Reformation kehrten in Baden-Baden nicht nur religiöse, sondern auch politische Veränderungen ein. 1535 musste die Markgrafschaft zwischen den Brüdern Bernhard, der katholisch bleiben und Ernst, der evangelisch werden wollte, geteilt werden. Baden-Baden wurde namensgebender Regierungssitz für den katholischen Teil, der erst nach dem Aussterben der Bernhardinischen Linie 1771 wieder mit Baden-Durlach zusammenfiel. |
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Unter der Einwohnerschaft muss der Anteil der reformatorisch Gesinnten ziemlich groß gewesen sein, so ein Bericht aus dem Jahr 1538: kaum jemand halte noch etwas von der Messe, innerhalb einer Woche wohnten ihr noch nicht einmal drei Menschen bei, kaum jemand nehme das Abendmahl anders als unter beiderlei Gestalt, einige gar nicht mehr, Fasttage und Fastengebote würden nicht mehr gehalten, sogar öffentliches Fleischessen in Wirtshäusern käme vor, so dass man im Jahr darauf durch ein Religionsmandat Rat und Bevölkerung ausdrücklich auf die katholischen Ausdrucksformen verpflichtete. Wegen der so genannten Oberbadischen Okkupation, der Besetzung des baden-badenschen Gebiets durch Baden-Durlach 1594, fürchteten manche sogar eine Protestantisierung. Hier schließt sich der Kreis zum eingangs erwähnten Kapuzinerkloster, das ja auf dem Hintergrund des Siegs der katholischen Partei entstand. Bemühungen, den alten Glauben auf ein solides Fundament zu stellen, zeigen außerdem die Einrichtung eines Jesuitenkollegs mit Jungenschule und des Augustiner-Chorfrauen-Klosters vom Heiligen Grab mit Mädchenschule im 17. Jahrhundert (es existierte bis 2001, die Schule gehört heute zur Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg). Auf die gesamte Markgrafschaft gesehen bildete sich die Regentschaft der frommen Sybilla Augusta den Höhepunkt der barocken Rekatholisierung. Für Baden-Baden war mit dieser Zeit jedoch auch 1705 die strategisch bedingte Verlegung der Residenz nach Rastatt und damit ein Bedeutungsverlust verbunden. |
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Die internationale Zusammensetzung der Kurgäste in Baden-Baden spiegelt sich in der örtlichen Kirchenlandschaft wider. |
Während des ganzen Auf und Ab der Jahrhunderte, trotz konfessionalistischer Auseinandersetzungen und verheerender Zerstörungen durch Krieg kam der Badebetrieb in den Thermalquellen nie völlig zum Erliegen. Als nun Mitte des 18. Jahrhunderts deren heilende Wirkung medizinisch neu erwiesen wurde und andernorts Kurorte in Mode kamen, plante man auch von Seiten des Markgrafen Baden-Baden in dieser Hinsicht aufzuwerten. Die politischen Umstände spielten mit: vor der Revolution geflohene französische Adlige brachten Geld mit, der benachbarte Rastatter Friedenskongress von 1797-1799 sorgte für internationales Publikum und die aufkommende Romantik entdeckte in der Umgebung ihr Ideal einer Landschaft. 1804 weilte Königin Friederike Luise von Preußen den Sommer über in der Stadt und zog dadurch weitere adlige Gäste nach sich. Es war so gesehen, wenig risikoreich für Verleger Cotta, zu diesem Zeitpunkt in ein Luxushotel im säkularisierten Kapuzinerkloster zu investieren. Sein Architekt Weinbrenner, seines Zeichens badischer Hofbaumeister, gestaltete zeitgleich für Karl Friedrich von Baden Bade- und Museumsgebäude und baute das ehemalige Jesuitenkolleg zum Konversationshaus mit Tanzsälen und Lesekabinetten um. 1808 wurde das Chorherrenstift aufgehoben und das Gymnasium für Jungen zog nach Rastatt um. Die Baden-Badener stellten sich von Pensionskindern auf Kurgäste um und sahen teils mit Begeisterung, teils mit Sorge um das Seelenheil Glücksspiel und Badebetrieb (seit 1858 kamen die Iffezheimer Pferderennen hinzu) einziehen. Die gemeinsame Nutzung einer Kirche? 1830 verzeichnete die Baden-Badener Fremdenliste bereits über 10000 Gäste, davon 40 Prozent Deutsche, 40 Prozent Engländer und Franzosen und 20 Prozent aus dem "Rest der Welt", zum Beispiel Niederländer, Italiener, Russen, Polen und Amerikaner. Selbstredend waren diese nicht alle katholisch, und durch ihren oft monatelangen oder dauerhaften Aufenthalt wurde eine sprachlich und konfessionell entsprechende Seelsorge erforderlich. So hatte sich 1833 bereits eine englische Gemeinde mit einem vom Londoner Bischof eingesetzten und vom Großherzog und den städtischen Behörden genehmigten Pfarrer etabliert, die 1867 eine eigene Kirche, All Saints, heute evangelische Johanneskirche, einweihen konnte. Zuvor hatte die anglikanische Gemeinde gegen eine Gebühr die Hospitalkirche genutzt, wo jeden Sonntag zuerst im katholischen, dann evangelischen und schließlich anglikanischen Ritus Gottesdienst gefeiert wurde (seit 1873 finden dort altkatholische Feiern statt). Dem damals schon vorgetragenen Argument, die gemeinsame Nutzung der Hospitalkirche fördere die Einheit der Konfessionen hielten die Befürworter eigener Kirchbauten entgegen, dass durch getrennte Gottesdienste ebenso wenig eine Verbundenheit entstehe, wie durch das gemeinsame Wohnen mehrerer Familien unter einem Dach. Nachdem 1845 die Zahl der Kurgäste bereits auf über 30000 angestiegen war, folgten in der zweiten Jahrhunderthälfte der Bau der evangelischen Stadtkirche, der russischen Kirche und der Synagoge. Häufig ermöglichten die zahlreich anwesenden wohlhabenden Adligen oder prominente Künstler die Finanzierung der prächtigen Bauten. Im Fall der englischen Kirche wurden sogar gegen eine Spende Sitzplätze vergeben. Nicht selten profitierten neben den Kureinrichtungen auch Kirchen und soziale Hilfseinrichtungen von den Einnahmen aus der eigentlich moralisch verwerflichen und 1872 vom reichsweit verhängten Glückspielverbot betroffenen Spielbank. Eine architektonische Rarität schuf der Karlsruher Architekt Johannes Schroth, indem er für die wachsende Zahl der Katholiken in der Weststadt mit St. Bernhard einen monumentalen Jugendstilbau (1914 konsekriert) entwarf. Erfolgreiches Anknüpfen an früheren Glanz Mit dem Ersten Weltkrieg endete vorerst der internationale Kurbetrieb; Hotels wurden zu Lazaretten umfunktioniert. Nach einer kulturellen Blüte in den Goldenen Zwanzigern, in denen Baden-Baden renommierte Künstler empfing, folgte mit den Jahren der Naziherrschaft ein Tiefpunkt. Schilder mit der Aufschrift "Eintritt verboten für Hunde und Juden" fanden sich auch an manchen Badener Hotels. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Baden-Baden zum Sitz des Militärgouvernements der französischen Besatzungszone ernannt, ein Umstand, dem die Stadt den Sitz des Südwestfunks (heute SWR) verdankte. Die Wiedereröffnung der Spielbank 1950, ein Treffen europäischer Außenminister mit Konrad Adenauer 1952 und ein Besuch des Schahs verhalfen dem ,;Weltdorf" zu einem erfolgreichen Anknüpfen an früheren Glanz. Wohl niemand würde heute die Stadt deshalb wie der Straßburger Franziskaner Thomas Murner als "Teil der Hölle" betrachten. Eher würde mancher mit Ludwig Tiecks Gedicht antworten "dass, wo sich arglos gute Menschen freuen, Die heiligen Tempel Gottes sich erneuen" . |
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Zum Titelbild |
| Warum nicht vom "Erfolg"
reden? Kirchliches Leben in Baden-Baden - besser als das Klischee der Stadt Casino, Festspielhaus und Thermen, Brennpunkt-Stadtteile und Sozialgefälle: Das moderne Baden-Baden ist so vielfältig wie das Spektrum seiner Bewohner/innen. Und für die "kirchliche Szene" in der Stadt gilt das Gleiche. |
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| Von Brigitte Böttner Der Besuch ist ein wenig zu früh dran - der Pfarrer werkelt noch. Morgen werde er mit einer Gruppe von 15 Firmlingen nach Taize fahren, erklärt Klaus Fietz, bevor er Schlafsack und -matte im Gemeindegefährt verstaut. Nach zwei Jugendlagern mit 48 und 34 Teilnehmer/innen in der Schweiz die planmäßig letzte Nachwuchsfahrt dieses Sommers. "Als ich vor acht Jahren nach Baden-Baden kam, waren wir 13 Pfarrer für 13 Gemeinden", erzählt der Pfarrer der Seelsorgeeinheit Baden-Baden-Lichtental mit den Gemeinden St. Bonifatius (Lichtental) und Heilig Geist (Geroldsau). "Heute sind wir fünf. " Das klingt schon nicht mehr ganz so ausgewogen. Was dieser Schwund praktisch bedeutet, wie sich der personelle Notstand etwa bei den Eucharistiefeiern am Sonntag auswirkt das sei eine Frage, die jede Seelsorgeeinheit für sich regeln und lösen müsse, erklärt Fietz diplomatisch. Man könne. von Glück sprechen, dass in Stadt und Umland noch ein Stab rüstiger Pensionäre lebe, die sich tatkräftig engagierten und so einen möglichen sonntäglichen Engpass bei den Zelebranten abmilderten. Zum Dekanat Baden-Baden, dem der 51-Jährige als Vizedekan vorsteht, gehören insgesamt 33 Pfarreien, die mittlerweile in zehn Seelsorgeeinheiten zusammengefasst wurden. "Guter Wille zum Miteinander" sei erkennbar, meint der Pfarrer, "die Leute merken selbst, dass es keine Alternative zur Zusammenarbeit gibt. " Neben diesem notwendigen Prozess des Zusammenfindens in den neuen Seelsorgeeinheiten trügen auch die kirchlichen Verbände und Gruppierungen zur Integration bei, sorgten für Vielfalt sowohl in den Pfarreien wie auch im Gesamtbild. Von den "Erfolgen" reden, heißt nicht, von den Schwierigkeiten schweigen (müssen). Baden-Baden, Stadt wie Dekanat, sind vielfältig und vielschichtig was die regionale Prägung und die sozialen Unterschiede angeht. Das verbreitete Klischee von Baden-Baden sei "die Stadt mit dem Casino, Festspielhaus und Thermen, der ,Großen Woche' und jetzt dem Burdamuseum", so Vizedekan Fietz. Und auf der anderen Seite mit sozialen Brennpunkt-Stadtteilen wie dem "Briegelacker" und verschiedenen Obdachlosenvierteln. Bei der letzten Oberbürgermeisterwahl hatten die Wohnsitzlosen sogar einen eigenen Kandidaten "gestellt". Etwa 4500 Menschen in Baden-Baden - knapp zehn Prozent der rund 55 000 Einwohner/innen - seien "theoretisch sozialhilfeberechtigt" , meint Pfarrer Klaus Fietz. Aber nur ein Bruchteil davon nehme die verschiedenen Hilfsangebote in Anspruch; zum Beispiel den neuen Tafelladen, den der Caritasverband der Stadt Anfang Juli in seinem Zentrum "Cäcilienberg" in Lichtental eröffnet hat, wenige Meter von St. Bonifatius entfernt. Licht und Schatten gehören zusammen, auch in Baden-Baden. Einen "Lichtpunkt" hat sich Klaus Fietz bis zuletzt aufgehoben - für den leuchtenden Abschluss sozusagen. Gemeint ist das Kloster Lichtenthai am Rand der Stadt, ebenfalls auf dem Territorium der Seelsorgeeinheit Baden-Baden-Lichtental gelegen. Schon seit mehr als 750 Jahren beten und arbeiten Cistercienserinnen an diesem Ort. Die Schwestern gestalten ihr Leben nach der Spiritualität der Regel des heiligen Benedikt: "Gott suchen in der Stille der Klausur, hören auf sein Wort, meditieren der Heiligen Schrift und geistliche Lesung, verfügbar sein und sich engagieren für die Gemeinschaft, arbeiten für den Lebensunterhalt", wie es in einer Selbstvorstellung heißt. Als ihre "wichtigste Aufgabe" bezeichnen sie es, "in den gemeinsamen Gebetszeiten nach den alten Melodien des gregorianischen Chorals das Lob Gottes zu singen". Dieses sei in ihrem Haus "niemals verstummt" . Gegründet wurde das Kloster von Markgräfin Irmengard von Baden im Jahre 1245 als Grablege der badischen Markgrafen. Früher lebten die Schwestern vor allem von der Landwirtschaft. Heute arbeiten sie in der Schule und in den Kunstwerkstätten, im Haus und bei der Betreuung von Gästen. Bundesweite Aufmerksamkeit erregten die Nonnen des Klosters Baden-Baden-Lichtenthal vor vier Jahren in der Debatte des baden-württembergischen Landtags zum geplanten "Kopftuchgesetz" . Die Frage damals lautete: Wenn es einer muslimischen Lehrerin verboten ist, im Unterricht ein Kopf tuch zu tragen, was ist dann beispielsweise mit den Cistercienserinnen des Klosters Baden-Baden-LichtenthaI, die im Ordenshabit an einer staatlichen Schule unterrichten? Dürfen die Ordensfrauen, was die Muslimin nicht darf? Der Streit um "Kopftuch und Ordenstracht" ist nicht die einzige Frage, mit der sich die "Kirche in der Welt von heute", im Zuge der fortschreitenden Säkularisierung auseinandersetzen muss. Das weiß auch Klaus Fietz. Trotzdem verbietet er sich eine allzu pessimistische Sicht auf die Dinge. Er begegne immer noch vielen Menschen, die "offen sind für Religion". Für die er da sein, mit denen er arbeiten "{ill. Wenn das keine Perspektive für die Zukunft ist... |
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