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Disposition der Orgel
46 klingende Register

Hauptwerk (Manual I)

Prinzipal 16´
Prinzipal 8´
Flauto amabile 8´
Viola da Gamba 8´
Salizional 8´
Bourdon 8´
Oktave 4´
Gemshorn 4´
Oktave 2´
Mixtur 4f
Scharff 3f
Cornett 3-5f
Tuba 8´

Koppel II/I
Koppel III/I
Koppel Sub II/I

 




Schwellwerk (Manual II)

Bourdon 16´
Prinzipal 8´
Konzertflöte 8´
Quintatön 8´
Viola d´amore 8´
Aeoline 8´
Vox coelestis 8´
Gedackt 8´
Prinzipal 4´
Traversflöte 4´
Rohrflöte 4´
Flautino 2´
Mixtur 3-5f
Trompete 8´
Clairon 4´

Koppel III/II
Koppel Sub II
Koppel Super II
Tremulant

 

Echowerk (Manual III)

Lieblich Gedackt 8´
Dulciana 8´
Violine 4´
Hohlflöte 4´
Nasard 2 2/3
Piccolo 2´
Terz 1 3/5´
Oboe 8´

Tremulant




 

Pedalwerk

Prinzipal Bass 16´
Violon 16 ´
Subbass 16´
Zartbass 16´
Oktavbass 8´
Cello 8´
Gedackt 8´
Bombarde 16´
Trompete 8´
Clairon 4´

Koppel I/P
Koppel II/P
Koppel III/P

 

Für die 1911 - 1914 von Schroth erbaute St. Bernhards Kirche zu Baden–Baden bestellte die Gemeinde Dezember 1919 beim badischen Hoforgelbauer Louis Voit in Durlach eine neue Orgel mit 37 Registern (davon 3 Transmissionen) auf zwei Klavieren verteilt auf ein Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal. Dem grandiosen Kirchenraum angemessen sollten zwei Prinzipale zu 16´den Prospekt zieren, das war und ist bis auf den heutigen Tag singulär für den mittelbadischen Raum. Die Disposition war eine typisch „hochromantische“ mit fein austarierten Abstufungen aller wichtigen Registertypen besonders der Flöten und Streicher, hinzu kamen die Oktavkoppeln, die großzügig in beiden Manualen ausgebaut waren.

Allein das Geld reichte nicht, so dass nur in einem ersten Bauabschnitt 1921 das Hauptwerk und ein Teil des Pedals realisiert werden konnte.

Zu dieser Zeit standen in Baden–Baden noch drei weitere Orgeln dieser berühmten Werkstatt: in der Stiftskirche, im Kurhaus und in der evangelischen Stadtkirche.
Nur die Kurhausorgel hat fast unverändert die Zeiten überdauert und harrt zur Zeit eingelagert der glanzvollen Wiedererstehung.

Schon 3 Jahre später, 1924, wurde die Fertigstellung der Orgel bei Wilhelm Schwarz in Überlingen in Auftrag gegeben. Subtil sind dessen fundierte kritische Anmerkungen zum ersten Bauabschnitt aus der Werkstatt seines Konkurrenten L. Voit in den Orgelakten nachzulesen, die zu einigen Verbesserungen durch Schwarz führten.

Wenige Jahre später wurde unter anderem mit der „Freiburger Orgeltagung“ ein tief greifender Wandel im Orgelbau und in der Klangästhetik in Deutschland eingeleitet. Nicht mehr der romantische Ton war gefragt, sondern das „barocke“ oder sogar „frühbarocke“ Klangbild namentlich das „norddeutsch“ inspirierte wurde im wahrsten Wortsinn tonangebend. Der Welt der höchst kunstvoll differenzierten Streicher- und Flötenklänge, des füllig brandenden Tuttis attestierte man dem „Wesen der Orgeln“ nicht gemäß zu sein! In der Folge dieses Paradigmenwechsels wurden fast alle romantischen Orgeln in Deutschland günstigstenfalls tief greifend verändert, „barockisiert“, klanglich von den Füßen auf den Kopf gestellt. Die Deutlichkeit des Orgelklangs vertraute man weniger dem einem tragfähigen Grundton (Bourdon) als vielmehr hellen, durchsetzungsstarken „Oberton“ – Registern an. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg brach eine Modernisierungs- und Vergrößerungswelle über die alten Orgeln herein.

So auch in Baden–Baden St. Bernhard. 1957 beauftragte man die Werkstatt Mönch aus Überlingen mit einer „Modernisierung“ und Erweiterung der Voit/Schwarz – Orgel auf drei Manuale und 45 Register. Neben der unbestrittenen Verbesserung der Spielweise durch die neue elektrische Traktur (weder Voit noch Schwarz waren gute Pneumatiker...), wurde das Klanggefüge im Sinne der Orgelbewegung verändert und sogar um ein „barockes“ drittes Manual erweitert.

Der große deutsche Organist Karl Straube (1873 – 1950) wies aber schon Ende der 40er Jahre hellsichtig darauf hin, dass in „wenigen Jahrzehnten“ also um 1979/80 eine Wiederentdeckung der romantischen Orgel denkbar sei, denn schon früh beklagte er den „spröden“ Klang der neobarocken Orgeln und vermisste den kantablen Ton.

Und genau so ist es gekommen, etwa ab dem Ende 70er Jahre haben die Organisten und die Orgelbauer die Schönheiten des kantablen romantischen Tons wiederentdeckt. So war es nur konsequent angesichts einer technisch notwendigen Sanierung auch in St. Bernhard an die Wiedergewinnung der ursprünglichen Klanggestalt zu denken. Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal erklingen nun wieder so wie von Voit und Schwarz konzipiert, mit einer Ausnahme: im Hauptwerk wurde auf das Dolce 8´(Dulziana) verzichtet, dafür kam eine Mixtur, zweigeteilt in Mixtur und Scharf nach Voit‘schem Vorbild. Das ist eine notwendige Ergänzung, die Voit s. Zt. wohl aus Kostengründen unterlassen hat. Von Mönch wurde nicht nur der dreimanualige Spieltisch sondern auch die dritte Manuallade (Taschenlade) sowie die sehr schöne Hautbois 8´übernommen. Auf diese Lade, jetzt als Echo im Untergehäuse positioniert, wurden neben dem Dolce (Dulziana) des I. Manuals und der Hautbois von Mönch noch einige Solofarben zum Teil aus alten Voit – und Schwarzbeständen gestellt, die das stilistische Spektrum der Orgel nicht unwesentlich erweitert.

Dankbar können heute alle Beteiligten sagen: „Vollendet ist das große Werk“!
Mein Dank gilt der Pfarrgemeinde St. Bernhard an der Spitze Herrn Pfarrer Thomas Martin Maier, allen Spendern, dem so engagierten und klug agierenden Förderverein unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Ernst-Moritz Lipp und natürlich den Orgelbauern den Herren Orgelbaumeistern Alex Matz und Martin Luge und ihren Mitarbeitern.
 
 

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Zahlt sich so eine Investition überhaupt aus, gibt es eine „Rendite“? Gewiss, wir können sie rechtfertigen mit dem „kulturellen Auftrag“ und auch noch mit der Pflege und Erhaltung des wertvollen Erbes. Aber das trifft allenfalls die Oberfläche. Dass die Gemeinde noch besser singe, die Liturgie dadurch noch glanzvoller , ein Abbild des Himmels werde in dessen Klang wir immer wieder einstimmen dürfen, das allein ist der „Kapitalertrag“.

Martin Dücker
Erzbischöflicher Orgelinspektor

 

 

 


Die Restaurierung

Der Umbau der Orgel im Sommer 1958 stellte einen erheblichen Eingriff in die Substanz des spätromantischen Instruments dar. Um den neobarocken Vorstellungen der sog. „Orgelbewegung“ gerecht zu werden, wurden viele Pfeifen des Altbestandes aus ihrem Kontext gerissen, um, teils abgeschnitten, teils im besten Sinne des Wortes „verbogen“ dem neuen Registerfundus integriert zu werden. Der Einbau eines neuen, dritten Teilwerks hoch oben unter dem Emporengewölbe und einer (weiteren) Pedalzusatzlade ließen nicht mehr genug Platz für eine optimale Aufstellung des Pfeifenwerks von Hauptwerk und Pedal. Wo die erforderliche Höhe fehlte, wurden Pfeifen durchtrennt und in einem passenden Winkel neu zusammengefügt (gekröpft). Dies alles wurde gehalten von einer gewagten Konstruktion, deren Statik bis zum Schluss höchst fragwürdig war. Soweit der status quo im Juni 2008.

Die Restaurierung der Orgel begann mit der Aushebung der mehr als 3000 Pfeifen. In tagelangem Identifizieren gelang die Zuordnung des historischen Bestandes zu den Orgelbauern Voit und Schwarz bzw. deren Lieferanten. Die alten Register konnten zusammengestellt, Totalverluste festgestellt werden.
Die Balganlage wurde zerlegt, sämtliche Undichtigkeiten beseitigt, die Bälge und Windkanäle neu beledert und papiert. Später wurde sie nach den neuen Bedürfnissen anders angeordnet. Zudem sorgen neue Gebläsemaschinen für den nun höheren historischen Winddruck.

Die statischen Probleme löst ein neues Tragwerk, solide gefügt aus originaler Substanz und kräftigen Leimbindern. Dieses kommt auf einem neuen Dielenboden zu stehen, dessen tragende Balken sorgfältig imprägniert wurden. Das neue Gerüst sorgt für Stabilität im Inneren wie auch der Schauseite der Orgel und stemmt das Gewicht von Hauptwerk und Pedal.

Die Restaurierung der Windladen barg Probleme. Die Schwarz-
Laden des Schwellwerks konnten ohne Schwierigkeiten erneuert werden. Bei den Voit-Laden war das nicht der Fall. Sie wiesen angeborene Konstruktionsmängel auf und mussten samt

Pfeifen rekonstruiert werden. Alle Windladen wurden komplett mit neuen Taschen (Bälgchen aus Holz und Leder) bestückt, sämtliche elektrischen Magnete gegen heutige Produkte ausgetauscht.

Parallel zu diesen Arbeiten wurde in der Orgelbauwerkstatt das Pfeifenwerk von 1921/25 wiederhergestellt. Wichtigste Restaurierungsschritte waren: Anhängen der 1958 gekürzten Pfeifen auf ihr Altes Maß, Rückführung der Kröpfungen, Wiedergewinnung der alten Aufschnitte an den Pfeifenmündern (Labien), Beseitigung aller Manipulationen, die den ursprünglichen Klang veränderten, Neuanfertigung der damals verschwundenen Klangkörper. Sorgfältige Ausreinigung und Imprägnierung der Holzpfeifen gegen Schädlinge versteht sich von selbst.

Als erste Pfeifenreihe hielt der gewaltige Prospekt (Schaufront) seinen Einzug in die Kirche. Die großen Zinkpfeifen stehen in altem Glanz. Dann folgte Register für Register, nach einem halben Jahrhundert wieder am alten Platz. Die großen Pfeifen im Haupt- und Pedalwerk haben endlich die Höhe, die der optimalen Klangabstrahlung bisher fehlte. Die Pedalzusatzlade – quasi eine Barriere in der Klangabstrahlung des Hauptwerks – ist verschwunden. Das Oberwerk steht nun als Echowerk mittig im Sockelbereich. So genannte „Pfaffengitter“ gewähren ihm Klangentfaltung. Hier ist auch der Platz für gutes Pfeifenwerk von 1958, sofern es sich in den Charakter der Orgel integrieren lässt.

Die zentrale Spielanlage – der Spieltisch – wird renoviert beibehalten. Jedoch ersetzt digitale Elektronik die Verkabelung des vergangenen Jahrhunderts. Statt freier Kombinationen ermöglicht nun ein Rechner eine Überfülle programmierbarer Klangmischungen. Dennoch wurde der Spieltisch nicht zum Cockpit.
Registerschalter im alten Stil und möglichst wenig Bedienelemente geben ihm Ruhe und Übersichtlichkeit.

Matz und Luge
Orgelbau